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Theater // Performance // Musik

Foto von: „Margot Cichy“

Wer wir sind?

Wir sind ein Künstlerduo, bestehend aus dem Schauspieler Kay Liemann und dem Komponisten und Musiker Philipp Rücker. Uns verbindet schon eine längere Zusammenarbeit. Wir haben zeitgleich an der Hochschule für Musik und Theater Rostock studiert und verlagerten anschließend unseren Lebensmittelpunkt nach Leipzig. Von hier aus arbeiten wir gemeinsam an verschiedenen Projekten.

Den Anfang machte 2017 die Musiktheaterbearbeitung von B. Travens Roman Das Totenschiff, die wir gemeinsam an der HfM Dresden zur Aufführung brachten – im Rahmen von Philipp Rückers Master-Abschlusskonzert in Komposition, unter der Regie von Kay Liemann. 2019 entwickelten wir das performative Live-Hörspiel Moskau-Petuschki, mit dem wir 2020 und 2021 unter anderem beim Leipziger Hörspielsommer, im Ost Passage Theater Leipzig, beim Festival outside Leipzig sowie im bekannten Leipziger Club Distillery gastierten. Parallel folgte 2020 die gemeinsame Stückentwicklung und Inszenierung von Schatz und Schande – eine Volkslieder-Theaterrevue der Liebe mit Kay Liemann in der Hauptrolle des Christian, produziert von Philipp Rücker und Regisseurin Leonie Sowa.

Philipp Rücker

Musiker / Komponist / Saxofonist

Philipp Rücker wurde am 27.02.1990 in Ost-Berlin geboren und verbrachte den Großteil seiner Kindheit und Jugend in Bad Saarow (Brandenburg).


Mit neun erhielt ich meinen ersten Saxophonunterricht. Am Anfang widmete ich mich eher dem klassischen Saxophon und nahm später u. a. mehrmals am Bundeswettbewerb Jugend musiziert teil. In meiner Jugend und Schulzeit wollte ich meinen musikalischen Horizont möglichst in alle Richtungen erweitern. So gut das in der brandenburgischen Provinz eben ging.

Ich spielte im Blasorchester, in der Big Band, Punk- und Ska-Bands und befasste mich später mit Jazz und Improvisation. Ich nahm Kompositionsunterricht bei Ulrike Merk, lernte Klavier und zudem noch klassischen Gesang.

Ab 2012 begann ich das Saxophon-Studium im Studiengang „Pop- und Welt-Musik mit Klassik“ bei Uwe Steinmetz und Jan Schulte-Bunert und machte anschließend meinen Master in Jazz/Rock/Pop-Komposition an der HfM Dresden bei Prof. Thomas Zoller.

Interview mit Philipp:

Warum machst du Kunst?

Ich habe mit neun Jahren angefangen Saxophon zu spielen. Vorher war ich bei der musikalischen Früherziehung und so weiter, und dann hat sich das so ergeben.

Ich hatte dann eigene Bands und bin damals schon, direkt nach der Schule, zu irgendwelchen Proben gegangen, jeden Tag. Und dann hab ich gedacht, ich mache das beruflich. Ich hab mich aber nicht direkt getraut nur Musik zu studieren, sondern erstmal Schulmusik, auch auf Anraten meiner Eltern, in Kombination mit Mathe.

Ich hab ganz brav vier Semester durchgezogen, aber dann wurde mir das zu krass. Ich hab gemerkt: Ich will kein Lehrer werden! Ich will Musiker werden! Ich hab das Studium nicht mehr ausgehalten und hab dann zum Musikstudium gewechselt. Damit war die Sache erledigt.

Warum wolltest du Künstler werden?

Das weiß ich gar nicht so genau – vor allem hat es Bock gemacht.

Welche Musik, Kunst magst du?

Ich mag Helge Schneider! Der hat so eine Glitschigkeit, wie ein Aal, der sich nicht festnageln lässt. Da ist jede Aufführung überraschend. Das finde ich extrem wichtig.

Ich würde mich aber auch nicht als riesigen Fan bezeichnen. Es gibt noch so viele andere extrem spannende Musiker*innen.

Hast du ein künstlerisches Vorbild?

Ne.

So gar nicht? Also auch nicht in deiner Jugend oder Kindheit?

Das klingt ja voll Teenie-Band mäßig. (lacht) Das Ding ist, dass ich eine musikalische Nutte bin. Das heißt, ich finde fast alle Musik gut. Zumindest kann ich mich keinem einzelnen Genre zuordnen. Ich hab angefangen mit Punk-Rock. Das finde ich auch heute noch ziemlich geil. Ich mag Jazz. Ich mag freie, experimentelle Musik, ich mag Klassik. Ich lerne gerade Alt-Blockflöte und barocke Interpretationspraxis. Das finde ich super spannend und liebe es, das zu lernen, aber ich weiß nicht, wer das außer mir noch liebt. Da gibt’s bestimmt nicht viele. (lacht) Ich stehe aber auch auf elektronische Musik. Ich versuche immer alles, aber habe dabei auch manchmal Angst, das Ziel aus den Augen zu verlieren. Es interessiert mich einfach alles. Musikalisch natürlich.

Was schätzt du an der Zusammenarbeit mit Kay?

(lacht) Wer hat denn eigentlich sich diese Fragen ausgedacht? Süße Frage. Wo soll ich da anfangen? Kay ist einfach perfekt. Ja…

Hast du Pläne für die Zukunft?

Reich und berühmt werden. (lacht)

Kay Liemann

Schauspieler / Autor / Künstler

Kay Liemann wurde am 27.10.1986 in Halle an der Saale geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend in der Plattenbausiedlung Halle-Neustadt.


Meine ersten Bühnenerfahrungen machte ich am Kinder- und Jugendtheater in Halle (Thalia Theater Halle). 2010 begann ich mein Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater Rostock und bin seit dem Abschluss selbstständig. Gespielt hab ich in u. a. in Luzern, an der Deutschen Oper Berlin und in verschieden Off-Theatern. 2016 zog ich mir aufgrund eines Unfalls eine Lähmung der rechten Hand zu. Bis 2018 war ich in Rehabilitation. Wenn ich nicht auf der Bühne stehe, arbeite ich als Dozent, gebe Kurse, realisiere und konzeptioniere sozialpolitische wie künstlerische Projekte, schreibe, bin Projektleiter und stelle mich immer wieder neuen Herausforderungen.

Interview mit Kay:

Warum machst du Kunst?

Wenn du mich das jetzt so direkt fragst, werde ich gleich nervös. Ich hätte gern eine deepe Antwort, weil ich das meist nicht so gut in Worte fassen kann… Aber ich hab das zum Beispiel bei meinen letzten Job wieder festgestellt. Da hab ich viel Büroarbeit gemacht, Akquise. Ich war Projektleiter, musste die ganze Zeit nur Leute anrufen, Mails schreiben, in der Gegend rumfahren. Ich hatte also null künstlerischen Output. Und dann habe ich mir irgendwann Leinwände gekauft und die auf den Boden gelegt. Und immer in der Pause darauf rumgemalt. Ich hab einfach gemalt, weil ich diesen künstlerischen Output brauche. 

Und wie bist du zur Kunst gekommen?

Also zum Schauspiel bin ich über einen Umweg gekommen. (überlegt lange) Ich hatte als Kind schon immer drei Lieblingsberufe. Astronaut, Archäologe oder Künstler. Und ich hab den schwierigsten Part gewählt.

Ich hab als Kind schon immer aus dem Fenster geguckt und geträumt. In der Schule hab ich die Bänke bemalt. Am Anfang hat meine Mutter noch geschimpft, aber dann hat sie es aufgeben. Und meine Lehrer auch, ich war quasi unbelehrbar. Ich bin dreimal sitzen geblieben, bin mit der siebten Klasse raus. Hab dann den Hauptschulabschluss nachgeholt, über so ein Schulversuchsprojekt. Produktives Lernen hieß das. Für mich war klar, dass ich Mediengestalter in Bild und Ton werden will. Da hatte ich schon Erfahrung, weil ich im halleschen Stadtfernsehen, schon eine Jugendsendung mit produziert hatte. Da haben wir einmal einen Rummeltest gemacht. Ich war ausnahmsweise mit vor der Kamera. Und ich hasse Karussells, die sich im Kreis drehen. Ich musste kotzen, und ich hab mich unwohl gefühlt vor der Kamera und beschlossen: So ein Scheiß wirst du nie wieder machen. Ich stell mich nie wieder vor die Kamera.

Ja und dann hab ich keine Lehre bekommen. Mit Hauptschulabschluss ging das nicht. Dann habe ich die Realschule nachgeholt, das hat aber alles nichts gebracht. Ich war frustriert als Jugendlicher, auch vom System. Hab unzählige Maßnahmen vom Amt gemacht. Bis ich einen Brief vom Arbeitsamt bekommen hab, wo drin stand: Sie sind eingeladen für ein Casting als Schauspieler. Ich dachte, die wollen mich verarschen.

Das war auch wieder eine Maßnahme vom Amt, in Kooperation mit dem Kinder- und Jugendtheater. Ich bin also zum Casting gegangen, saß mit vierzig anderen im Kreis. Wie viele sie genommen haben, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls ist der Regisseur zu mir gekommen und sagte, „Du bist cool Kleiner, du machst das.“ Und dann hab ich die Hauptrolle bekommen. Marcel S. aus Der Kick von Andres Veil. So fing meine schauspielerische Karriere an.

Inzwischen verstehe ich mich aber gar nicht mehr „nur“ als Schauspieler. Ich schreibe gerne, ich fotografiere, male, spiele, mache alles. Ich hab auch immer Bock auf Dramaturgie und Regie. Ich glaube, da gibt es gar kein Ende. 

Welche Musik, Kunst magst du?

Keine, wo ich einen Übersetzer brauche. Dieses Akademische stößt mich oft ab. Aber ich mag Ren Hang zum Beispiel, oder Koltès, Schlingensief, aber auch KIZ.

Hast du ein künstlerisches Vorbild?

(lacht) Ich hab Philipp als Vorbild, er sagte ja dass er eine Genrenutte sei. I love it.

Was schätzt du an der Zusammenarbeit mit Philipp?

Das wir uns gut streiten können, ohne nachtragend zu sein, und uns gegenseitig unsere Meinung sagen können.

Hast du Pläne für die Zukunft?

Ich hätte Bock mal einen Fünfjahresplan zu machen. Ich habe immer tausend Ideen und Jobs. Das gibt mir manchmal das Gefühl, von Projekt zu Projekt zu rennen, ohne genau zu wissen, wo mich das hinführt. Und ich hoffe, damit werde ich nicht nur erwachsen, sondern auch zukunftsgewandt. (lacht)

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